Mittwoch, 21. August 2013

Gamescom mit den Großeltern



Mit den Großeltern auf der Gamescom

Vor dem Eingang ist die Welt noch in Ordnung
Ich sitze im Eurocity 8 zwischen Köln und Hamburg sehr einsam auf meinem Platz. Ich war auf der Gamescom 2013 und befürchte, dass irgendwo zwischen Halle 8 und 9 mein Deo versagt hat. Doch diese provozierte Einsamkeit und die meditative Wirkung der Landschaft rund um Osnabrück gibt mir Gelegenheit ein Gedankenexperiment zu wagen: Wie wäre es gewesen, wenn spontan meine Großeltern (Gott habe sie selig) gesagt hätten, sie würden mitkommen.

Wir wären, vom Bahnhof Köln-Deutz kommend, durch die Drehkreuze vom Eingang Süd gekommen und da wäre die Welt meiner Großeltern sicherlich noch in Ordnung gewesen. Sie hätten sich noch nicht über einige kostümierte junge Menschen gewundert, denn ich hätte sie darauf vorbereitet. Dass so eine Videospielemesse eben auch einige dazu veranlasst, sich seltsame Dinge anzuziehen, dass wegen der hohen Temperaturen der Nordrheinwestfale auch mal was Knapperes anzieht und sowieso die Kölner aus Tradition Verkleidungen lieben.

Die Älteren erinnern sich noch...
Auch die Business Area würde noch ihren Erwartungen entsprechen. Viele geschäftige Menschen, einige sogar in Anzügen und dazu bunte eckige Sperrholzbauten mit Tür. Bereitwillig würde ich ihnen die Begriffe übersetzen (Playstation ist ein Spielgerät für den Fernseher, Xbox ist das auch - allerdings mit einem X auf der Vorderseite und so weiter).

Dann würden wir noch einen Blick in Halle 10 werfen, wo einige Heimcomputer und Konsolen der 70er und 80er Jahre braven Pixelbrei zeigen. Den Begriff "Retro" würde ich als Jugendspeech für "aktuell" verkaufen und meine Großeltern wären mit der Welt im Reinen. Dann würde ich allmählich zum Aufbruch drängen. In meinem Gedankenexperiment jedoch scheitert dieser Versuch.

Plötzlich stehen wir vor den Hallen 6 bis 9 und nichts wird für meine Großeltern mehr so sein wie vorher. Und ich werde es nicht erklären können:


Der Tod spielt mit
  • Erwachsene Menschen liegen zuckend in Särgen und halten seltsame Geräte in ihren Händen, 
  • Elitesoldaten der "Battlefield 4" patrouillieren in voller Montur und mit angelegten Waffen, 
  • fast nackte Frauen nehmen wildfremde Männer in den Arm und lassen sich dabei auch noch fotografieren und filmen, 
  • es herrscht eine Lautstärke wie an der Startbahn vom Fliegerhorst Jagel kurz nach dem Einsatzbefehl (okay, das kennen sie noch von meinem Wacken-Gedankenexperiment), 
  • junge Männer und Frauen recken ekstatisch ihre Hände nach oben, um von ihrem Gebieter (einem wahrscheinlich völlig unterbezahlten Promotionpraktikanten) T-Shirts und Schlüsselbänder zu empfangen, 
  • Kriegsszenen wahlweise mit Menschen, Maschinen, Menschen und Maschinen oder auch Autos mit Männern in roter Klemptnermontur auf riesigen Leinwänden, 
  • unendliche Menschenschlangen von Ausmaßen "Festival-Damen-Toilette" vor düsteren Eingängen in mysteriöse abgetrennte Bereiche, 
  • der Fetisch der großen Tüte wird exzessiv ausgelebt und zieht auch bei Jugendlichen immernoch, 
  • Alles sicher hier
  • alle sind markiert mit unterschiedlichen farbigen Armbändern wie Schweine vor der Schlachtung

 ... und überall und jeder hat Kamera und Mikrofon im Anschlag.

Die Bundeswehr zeigt auch ihr Spielzeug
Das ist meine Rettung. Strahlend schreie ich meine Großeltern in dem Gedankenexperiment an und gewinne dabei akustisch knapp gegen eine Diablo-3-Präsentation am Blizzard-Stand. "Die drehen hier nur einen Film. So einen Horrorfilm. Mit Krieg. Vielleicht auch einen Porno. Eben ein Kriegs-Horror-Porno. Mit ganz viel Technik. Lass mal weiter. Nicht dass wir noch ins Bild laufen." Und dann werde ich mit meinen Großeltern noch einmal in Halle 10 gehen. Da steht die echte Bundeswehr mit einem echten Panzer bereit. Nun sind meine Großeltern überzeugt. Das ist alles nicht real hier.

Entspannt verlassen wir das Set. War wieder schön in Köln.

Findet Euer und Ihr

Caulius

P.S.: Ich habe die Anbieter von Gameentwickler-Kursen mal gefragt, ob denn Datenschutz bei ihnen in der Lehre auch ein Thema ist. Nö! Aber auf Nachfrage fanden es alle wichtig. Na dann…

P.P.S.: Was nun besser ist, Playstation 4 oder Xbox One? Keine Ahnung. Ist mir auch egal. Auf der Xbox One konnte man auf der Gamescom Peggle 2 spielen und auf der Playstation 4 Fifa 14. Das geht aber sicherlich auch andersherum. Das eine ist grün, das andere blau - zumindest in der Werbung .... das würde auch meine Großeltern verstehen. Ist eben eine Geschmacksfrage. Der Kriegs-Horror-Porno würde auch auf beiden gut aus. Und auch auf der Wii U.

P.P.P.S.: Und wenn ich mich nun entscheiden müsste und nur eine Hardware von der Gamescom mitnehmen dürfte, welche das dann sei? Ganz klare Sache: Einen der Flipper aus Halle 10!  

P.P.P.P.S.: Hier nun mein Videobericht von der Gamescom 2013:


Montag, 29. Juli 2013

„Männerfußball“ hofft auf Aufschwung



„Männerfußball“ hofft auf Aufschwung
8. EM-Titel der deutschen Nationalmannschaft könnte sich positiv auf Herren-Spiele auswirken

Am Rande des Empfangs der achtfachen Titelträgerinnen in Frankfurt a. M. bekräftigte DFB-Präsident Niersbach seine Hoffnung auf eine Signalwirkung für die Männer. „Die Männer-Nationalmannschaft hat viel zu lang im Schatten der großen Erfolge von Nationaltrainerin Neid und ihren Spielerinnen gestanden. Jetzt gilt es, die Aufbruchsstimmung auch auf das andere Geschlecht zu übertragen.“ 

Die Nationalmannschaft der Frauen wird
von Millionen (rechts im Bild) gefeiert wie Helden
Die Statistik jedoch spricht gegen die Chance, den gepflegten Herren-Fußball aus seinem Nischendasein herauszuholen. Gerade mal drei Titel erreichten die außerhalb des Fußballplatzes gerne mal als das „starkes Geschlecht“ bezeichneten Männer seit 1960. Die Frauen bringen es hingegen auf acht Meisterschaften seit 1984 – sechs aktuell in Folge.

Weshalb dieses Leistungsgefälle? Fachleute sind sich einig, dass es nicht an der Masse liegt. Mit den zahlreichen Erfolgen der Damen in den letzten Jahren kamen auch viele hoffnungsvolle Jungs auf die Idee, in Fußballvereine einzutreten. Eigene Jungen- und Männer-Sparten schossen wie Pilze aus dem stramm geschnittenen grünen Rasen. Doch die Attraktivität der Frauen wurde nie erreicht. Statt filigraner Technik wird bei den Männern gerumst wie in der Steinzeit beim Kampf um das Wasserloch mit den Schimpansen. Wo die Frauen bei den Europameisterschaften pro Spiel im Durchschnitt nur 1 bis 2 gelbe und keine rote Karte bekommen (so z. B. bei der EM 2013 in Schweden), sind es bei den Männern 4 bis 5 Gelbe und durchaus auch mal ein Platzverweis. Und wo die moderne Fußballerin locker über das gestreckte Bein der Gegnerin hüpft, da krümmt sich der Fußballer schon bei der leichtesten Berührung, als wäre ihm gerade mit der rostigen Spitzhacke der Unterschenkel amputiert worden. Wer will das sehen? Der Männerfußball hat hier noch einen steinigen Weg vor sich.

Der DFB ist rührend darum bemüht, Männerfußball in Deutschland zu etablieren. Inzwischen wird auch dort in Bundesligen gekämpft und sogar eine Champions League wird von der UEFA ausgerichtet. Die Trikots sind vielleicht nicht ganz so eng geschnitten, aber auch hier geht eine Partie über die volle 90-Minuten Distanz. Das Wolfsburg des Männerfußballs heißt übrigens „Bayern München“ und schickt sich diese Saison mit spanischer Hilfe an, etwas Eleganz in die Stadien zu bringen.

Zu wünschen wäre es ihnen. Niersbach hält jedoch den Ball flach: „Männer sind keine Frauen!“ Keiner möchte ihm widersprechen.

[Mehr zur Fussball-EM der Frauen in Schweden gab es auch auf www.fussballpodcast.info. Randsportart "Männerfußball" wird aber auch dort mal behandelt...]