Mittwoch, 21. Mai 2014

Outing: Europawahl



Ich oute mich: Ich gehe zur Europawahl 2014

Kommenden Sonntag ist in Deutschland Europawahl. Die Niederländer und die Briten dürfen sogar schon diesen Donnerstag ran. Und ich gebe es offen zu: Ich wähle gerne. Ich bin ein Wahljunkie.

Ich weiß, dass ich zu einer Minderheit gehöre. Aber mir macht es Spaß, mein Kreuz zu setzen. Ich fühle mich dann wichtig. Mir muss man nicht ein schlechtes Gewissen mit Sprüchen wie „Wer nicht zur Wahl geht unterstützt die Rechten“ einreden. Ich mache das freiwillig. Ich will es.

Europawahl ist schon irgendwie sexy.
Auch wenn die Erotik etwas spröde ist.
Doch wie so vieles im Leben, so macht auch Wählen mehr Spaß, wenn man es gemeinsam tut (es sei denn, man schafft es die Wahlbeteiligung so weit runter zu drücken, dass man zum einsamen Diktator wird). Und da will der Funke bei dieser Europawahl irgendwie noch nicht überspringen.

Dabei ist es doch gar nicht so schwer. Hier meine drei Schritte, um am Sonntag um 18 Uhr beseelt vom eigenen Demokratieverständnis den Prognosen zu lauschen.

1. Den Kopf frei machen von den leeren Sprüchen wie

  •  Brüssel soll sich nicht in alles einmischen (In was genau mischt sich denn Brüssel ständig ein? Außerdem ist das ja gerade der Sinn der Europawahl das mitzubestimmen.)
  • Das Europäische Parlament hat doch gar nichts zu sagen (Immerhin wählen Sie den Chef vom Ganzen, nämlich den Kommissionspräsidenten. Und sie erlassen Richtlinien und Verordnungen zusammen mit dem Europäischen Rat, wobei Verordnungen wie Gesetze sind, die direkt in allen EU-Ländern gelten. Das Parlament hat vielleicht nicht alle Kompetenzen unseres Bundestages, aber nähert sich dem stark an).
  • Das ganze kostet doch viel zu viel Geld (Deshalb ja wählen, denn das Parlament entscheidet mit über die Gelder - aktuell etwas über 300 Euro pro EU-Bürger. Außerdem kostet das Parlament nun gerade mal 3,50 Euro pro EU-Bürger im Jahr.)
     
  • Denen muss man mal einen Denkzettel verpassen (Denkzettel sind nie verkehrt. Nur wer soll denn nun durch Nichtwählen woran genau denken? Schon als Kind hat irgendwie diese Idee mit dem Denkzettel nicht geklappt. Wollte ich mich gegen vermeintlich ungerechte Entscheidungen von Oben (z. B. Eltern mit der Verordnung „Zimmer aufräumen) währen, dann hat nie – wirklich nie – die Taktik „die werden schon merken was sie davon haben, dann räume ich jetzt erst recht nicht auf“ irgendetwas verbessert. Konstruktives Verhalten und Verhandlungen („okay, ich räume heute die eine Hälfte auf“) brachte Besserung. Was hat das jetzt mit dem Denkzettel zu tun? Egal. Was ich sagen wollte: Nicht wählen aus Denkzettelmentalität heraus ist dämlich und merkt keiner (die Wahlbeteiligung war bei der Europawahl schon immer niedrig). Parteien wählen, die mehr auf der eigenen Linie liegen, bringt mehr.
     
  • Meine Stimme bringt doch eh nichts (Nie war eine Stimme so wertvoll wie Sonntag. Keine Fünf-, Drei-, oder Sonstwas-Hürde. Jede Stimme zählt. Selbst kleine Parteien haben eine Chance).

2. Kurz mal inne halten und darüber freuen, was (auch) Dank des gemeinsamen Europas alles besser geworden ist (je nach persönlicher Präferenz Dinge wie Frieden, Wegfall der Grenzkontrollen, (teilweise) kein Geld mehr wechseln, freie Wahl des Arbeitsortes, weniger Panik bei Vergessen des Auslandskrankenscheins, gemeinsame rechtliche Mindeststandards, Filme im Original Einkaufen bei Amazon.co.uk, Eurovision Song Contest).

3. Zehn Minuten auf Wahlomat.de opfern, um eine Idee für die richtige Wahl zu bekommen.

Optional 4.: Youtube-Videos von den Vorstellungen der Kandidaten anschauen, Pateiprogramme lesen, mit Kandidaten sprechen, das Herz sprechen lassen.

Europawahl ist schon geil. Man muss es nur wissen.

Findet Euer und Ihr
Caulius


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen